Faszien – sie halten uns zusammen

Faszien – sie halten uns zusammen

Die Gelenke, Muskeln und alle Organe unseres Körpers werden von Faszien umhüllt. Die Faszien sind vergleichbar mit den weißen Häuten an einer Orange. Sie bilden das Netzwerk und machen bei Erwachsenen etwa 15-20 % des Körpergewichts aus. Faszien bestehen im Wesentlichen aus den Strukturproteinen Kollagen und Elastin sowie Wasser. Die Faszien können im Körper als Netz gesehen werden, welches mal enger oder weiter anliegt und unterschiedliche Mengen an wässriger Grundsubstanz beinhaltet.

Funktionen und Nutzen von Faszien:

  • Der Kollagenanteil bestimmt die Festigkeit und Dehnbarkeit des Gewebes.
  • Heute spricht man von Faszien, früher sprach man von Bindegewebe. Dessen Aufgabe es war Zwischenräume zu füllen und die Haltefunktionen zu übernehmen.
  • Die Strukturen des Bewegungsapparates stehen in einer Wechselwirkung zueinander. Je besser die Faszien sind, desto besser ist die Unterstützung für die umgebende Muskulatur.
  • Kräfte können besser übertragen und gespeichert werden, Spannungen und Dehnungen werden besser gehalten.

Zellaufbau und Zellerneuerung 

  • Zellen in den Faszien stellen das Elastin und das Kollagen her. Diese Zellen nennt man Fibroblasten. Die Fibroblasten produzieren Strukturproteine in dem Maß, wie es das zu versorgende Organ benötigt.
  • Bei erhöhter Belastung oder schnellerem Muskelaufbau passt sich die Produktion des Proteins an.
  • Die Bindegewebszellen erneuern in einem ständigen Prozess unser Fasziengewebe. Sie scheiden Enzyme und Botenstoffe aus, mit deren Hilfe die Fibroblasten untereinander und mit anderen Zellen kommunizieren können.

Funktionsverlust

Ein Mangel an Bewegung führt zu einer Schwächung und Verkürzung der Faszien. Daraus entsteht ein erhöhter Druck auf die Organe, da sich das Netz der Faszien verengt. Die Versorgung der Organe mit Flüssigkeit und Nährstoffen leidet darunter. Dadurch steigt die Gefahr der Verklebung von Faszienschichten miteinander. So nimmt die gesamte Beweglichkeit des Körpers mehr und mehr ab, das Verletzungsrisiko steigt.

Die Ursache chronischer Schmerzen im Alter sehen viele Mediziner in der verminderten  Funktionalität des Fasziengewebes über mehrere Jahre. Auch dadurch wird der Druck auf die Organe auf lange Zeit erhöht. Regelmäßiges Faszientraining ist also eine gute Prävention!

  • Kraft- und Ausdauertraining wirkt sich positiv auf die Faszien aus. Die Kombination von gezieltem Faszientraining (2 mal die Woche) – und dem Setzen neuer Belastungsreize ist optimal. Die neueste Forschung geht davon aus, dass sich die Faszien innerhalb eines Jahres komplett erneuern. Gezieltes Training, gute Ernährung und ausreichende Regenerationszeiten optimieren die Faszien. Eine proteinhaltige, basische, zuckerreduzierte Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr hilft bei der Neubildung elastischer Fasern. 

Durch gezieltes Training werden die Faszien:

  • „aktiviert“: Faszien werden mit äußeren Reizen versorgt. Dadurch wird das Gewebe angeregt, stabile Strukturen aufzubauen.
  • “bewegt“: durch den dynamischen Druck, der sich auf dem Fasziengewebe fortsetzt, entsteht eine Mobilisation des Gewebenetzes, Verklebungen werden gelöst, Verhärtungen werden aufgeweicht.
  • „versorgt“: Die Zufuhr von Flüssigkeit (Wasser und Nährstoffen) wird gefördert. Dadurch entstehen gesunde und starke neue Faszien.

Das Faszientraining mit einer Faszienrolle konzentriert sich auf die Muskeln zwischen zwei Gelenken, zum Beispiel zwischen Hüft - und Kniegelenk. Die Rolle wird so auf dem Boden platziert, dass man die jeweiligen Muskelpartie (zum Beispiel die Oberschenkelrückseite) darauf hin und her rollen kann.

Kontrollierbare Schmerzen sind Teil des Trainingskonzeptes: Beim Faszientraining werden Schmerzen nicht billigend in Kauf genommen, sondern müssen gezielt angesteuert werden. Sie können über den „Wohlfühlschmerz“ hinausgehen. Allerdings darf das Ganze nicht überschritten werden. Ursache des Schmerzes sind Rezeptoren, die im Muskel- und Fasziengewebe integriert sind. Je stärker das Fasziengewebe verhärtet oder verwachsen ist, desto schmerzhafter sind die ersten Übungseinheiten. Nach Trainingsende sollte sich der Druckschmerz jedoch in ein angenehmes Entspannungsgefühl wandeln. 

Wichtig:

  • Vor dem eigentlichen Sportbeginn: Die Muskulatur wird aktiviert und vorgewärmt. Außerdem wird die Durchblutung eingeleitet und im Weiteren gefördert.
  • Am Ende der Trainingssequenz: Die besonders beanspruchte Muskulatur (je nach Sportart) wird gezielt gelöst und in der Regeneration gefördert.

Vorteile:

  • Erhöhung der Mobilität bzw. allgemeinen Beweglichkeit: Wer regelmäßig die Faszien trainiert, bleibt beweglicher und trainiert gleichzeitig seine Muskulatur.
  • Reduktion des Verletzungsrisikos: Beweglichkeit kann Verletzungen vorbeugen, vor allem bei körperlicher Arbeit und Sport.
  • Beschleunigung von Regeneration: Faszientraining wirkt (als Nebeneffekt) ähnlich einer Lymphdrainage. Das aufgewärmte Muskel- und Faziengewebe (nach körperlicher Anstrengung wie dem Sport) kann dadurch schneller regenerieren. Die im Gewebe befindlichen Stoffwechselprodukte (Bsp. Milchsäure) werden durch das Rollen aus dem Gewebe gepresst. Frische (Nähr-) Flüssigkeit kann eindringen und das Gewebe wird frisch mit Nährstoffen versorgt.

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